Fulminante 6 Tage für das Trans4JAZZ-Festival
Der November ist der schönste Monat des Jahres in Ravensburg, weil Temperaturen von 40°C und mehr eher selten sind und vor allem, weil dann Ravensburg fünf Tage lang im Zeichen des Jazz steht. Fünf Tage? Nein, diesmal sind es sogar sechs.
Inzwischen hat sich das Trans4JAZZ-Festival zu einem der bedeutenden im süddeutschen Raum gemausert. Das liegt natürlich am Programm, das Jahr für Jahr große Stars in die vergleichsweise kleine Schussentalmetropole holt, aber auch an kreativen Neuerungen und dem Bestreben, den Jazz (und alles darum herum) auch für ein jüngeres Publikum attraktiv zu machen.
Womit wir schon beim TRANS4JAZZ AWARD sind, der in diesem Jahr erstmals vergeben wurde. Diese Newcomer-Competition richtet den Blick auf junge Bands, die den Jazz aus der Gegenwart heraus denken, mit Offenheit für unterschiedliche musikalische Einflüsse und Mut zur eigenen Persönlichkeit. Jazztime hatte also junge Bands aus ganz Europa eingeladen, sich selbst vorzustellen und ein paar Clips ihrer Musik einzuschicken – quasi ein Online-Casting. Eingegangen sind über 80 Bewerbungen aus vielen Ländern: Da wartete einiges an Hör-Arbeit auf die fachkundige Jury, in der mit Jakob Manz ein Baden-Württemberger Saxophonist mitwirkte, der sich in den letzten 10 Jahren von einer Teenager-Sensation mit Blockflöte zu einer der wichtigsten Sax-Stimmen Deutschlands entwickelte – mit immenser Spielfreude und Energie. Beides wird er auch am Dienstag, 3. November unter Beweis stellen. Da tritt seine Band nämlich als Headliner der „Future Dialogues“ auf. Den ersten Teil des Abends bestreitet eine der beiden Sieger-Bands des TRANS4JAZZ AWARD, nämlich das französische Oktett „Who Parked The Car“, das aus Neo-Soul, Funk, Jazz und Elektronik einen präzisen, organischen Sound kreiert.
Tags drauf geht es mit den etablierten Bands los. Mit unfassbar energetischem Soul elektrisiert St. Paul & The Broken Bones weltweit das Publikum auf großen wie kleinen Bühnen. Das Oktett aus Birmingham, Alabama nimmt Anleihen bei James Brown und Otis Redding, die Bläser überzeugen mit pfeilgeraden Licks und Solos, die Rhythmusgruppe brodelt – und der Sänger Paul Janeway ist eine Urgewalt.
Entspannter geht es bei Young Gun Silver Fox zu. Die Westcoast-Koriphäen verbinden jazzige Präzision mit großer Songwriting-Kunst, verorten lassen sie sich irgendwo zwischen Toto, Steely Dan und den Doobie Brothers – besser geht es kaum.
Am Freitag kommt eine absolute Jazz-Supergroup ins Konzerthaus: Der dänische Bassist Chris Minh Doky (Foto) hat mit allen möglichen Superstars gespielt, nun ist er selbst mit einer All Star-Band auf Tour. Manu Katché (u.a. bei Sting, aber auch schon mit eigener Band in Ravensburg) sitzt hinter den Drums, Morten Schantz war schon vor 20 Jahren Keyboarder der grandiosen JazzKamikaze (mit Marius Neset u.a.) und ist einer der gefragtesten Tastenzauberer Europas. Mit Till Brönner an der Trompete steht einer der größten Jazz-Stars Deutschlands mitten auf der Bühne. Als Support wird die zweite Siegerband des Awards auftreten: Das Sol Jang Trio um die südkoreanische Pianistin hat eine ganz besondere Klangsprache entwickelt: Mit lyrischen Melodien, dichten Harmonien und großer Aufmerksamkeit hat sich das Trio diesen Auftritt verdient.
Olivia Trummer hat 2019 den Landesjazzpreis Baden-Württemberg erhalten. Sie war schon mehrfach in Ravensburg und wird die Samstags-Matinee veredeln, mit ihrer klaren Stimme, virtuosem Klavierspiel und phantasievollen Songs – und mit Johannes Lauer, der extra mit seiner Posaune ihr Trio zum Quartett erweitert. Abends beehrt dann ein absoluter Superstar das Konzerthaus: Das Konzert von Asaf Avidan ist allerdings schon länger ausverkauft. Das liegt nicht nur an seinem Hit „Reckoning Song (One Day)“, sondern auch an seiner Stimme und dem, was er zu sagen hat.
Eine zweite Matinee am Sonntag bringt ein spannendes Projekt in die Linse. Lake Noir verknüpfen Twang-Gitarren aus dem Surf-Sound mit unberechenbarer improvisatorischer Wucht. Thomas Lutz, Frank Itt und Raffael Auer sind die musikalischen Protagonisten, dazu übersetzt Thomas Fuchs die Klänge in spannende visuelle Effekte mittels Kameras und Laptops.
Einen grandiosen Schlusspunkt wird Eric Bibb in der Zehntscheuer (nicht im Konzerthaus!) setzen. Er ist einer der größten Blues-Musiker dieser Zeit, und mit seinem Trio wird er eine ganz besondere Farbe in dieses Festival bringen. Bibb braucht keine großen Effekte, er ist ein Meister der Reduktion. Mit sparsamer Gitarre, aber eindrucksvoller Stimme präsentiert Eric Bibb akustischen Blues der Extraklasse.
Tim Jonathan Kleinecke gehört zum Aktiv-Team von Jazztime Ravensburg e.V.
Trans4JAZZ-Festival 2026
Di 3. bis So 8. November
Auch in diesem Jahr gibt es verbilligte Tickets für junge Menschen ab Jahrgang 2000.
Alle Infos und Tickets unter jazztime-ravensburg.de
