Klangbilder zwischen Geschichte, Jazz und Hoffnung
Adam Bałdych gilt längst als einer der markantesten Stimmen der europäischen Jazzszene. Kaum ein anderer hat die Geige in den vergangenen Jahren so konsequent ins Zentrum des Jazz gerückt und ihr neue Ausdrucksdimensionen eröffnet. Sein Spiel verbindet virtuose Technik mit poetischer Intensität, schwebt mühelos zwischen Klassik, Jazz und Improvisation. Nicht umsonst schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung über ihn: „Zweifellos der größte lebende Geigentechniker des Jazz. Von ihm kann man alles erwarten.“
Mit seinem Quartett – Sebastian Zawadzki (Klavier), Maciej Kociński (Saxophon) und Dawid Fortuna (Schlagzeug) – entfaltet Bałdych Klangräume von seltener Dichte. Hier treffen zarte, lyrische Linien auf eruptive Improvisationen, hier verschmelzen feinste Nuancen mit pulsierender Energie. In diesem Spannungsfeld kommt eine Musik zum Vorschein, die gleichermaßen intim wie kraftvoll wirkt.
Sein aktuelles Album „Portraits“ ist von besonderer Eindringlichkeit. Inspiriert von historischen Dokumenten ebenso wie von den Erfahrungen der Gegenwart, zeichnet Bałdych klangliche Portraits menschlicher Erfahrungen. Mit Violine und Renaissance-Violine öffnet er Perspektiven auf Themen wie Identität, Chaos und Resilienz – musikalische Meditationen über das Fragile des Lebens und den unstillbaren Wunsch nach Frieden.
Dabei schöpft Bałdych aus vielen Quellen: Jüdische Melodik, polnische Folklore, klassische Traditionen und die Improvisationsfreiheit des Jazz verweben sich zu einem kraftvollen, modernen Ausdruck. „Portraits“ setzt sich mit der Geschichte und Gegenwart auseinander, die Nachdenklichkeit weckt und zugleich tröstende Schönheit verströmt.
Ein Abend mit Adam Bałdych und seinem Quartett bedeutet, Musik als Dialog zu erleben – und so darf man gespannt sein, wenn er in Friedrichshafen sein neues Programm vorstellt.
Kathrin Staffler: Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsleiterin, Kulturbüro Friedrichshafen.
Adam Bałdych Quartet „Portraits“
Di 25. November, Bahnhof Fischbach, 19.30 Uhr
