Doris Dörrie über das Wohnen
„Wir tragen den Ort, an dem wir aufgewachsen sind, für immer in uns, und wenn wir Glück haben, war es ein geschützter, sicherer Ort“, schreibt Doris Dörrie in ihrem neuen Buch Wohnen. Die Frage, wie andere Menschen wohnen, fasziniert die gefeierte Autorin und Filmemacherin seit ihrer Kindheit. Das Buch ist Teil einer Essayreihe des Hanser Berlin Verlags, die aus zehn schmalen Büchern zu den wichtigsten Themen des Lebens besteht.
Wie wohnen eigentlich die anderen? Wie schlafen, essen oder spielen sie? Fragen wie diese brachten die Herausgeberin Lina Muzur auf die Idee zu dieser Reihe. Elke Heidenreich beschäftigt sich darin mit dem Altern, Svenja Flaßpöhler schreibt über das Streiten, Theresia Enzensberger über das Schlafen und Doris Dörrie widmet sich dem Wohnen.
Wenn Doris Dörrie über Menschen und Räume schreibt, erzählt sie zugleich von ihrem eigenen Leben, von Orten die sie geprägt haben und Räumen, die sie selbst prägte. Durch ihre Arbeit als Filmemacherin wurde Doris Dörrie zudem zur Expertin für das Erschaffen künstlicher Wohnwelten. Obwohl sie sich selbst nie niederlassen oder gar Wurzeln schlagen wollte, kennt sie sich mit Inneneinrichtungen bestens aus. Sie nimmt uns mit in ihr Elternhaus, in Studentenbuden und Wohngemeinschaften, erzählt vom versuchsweisen Leben auf dem Land und fragt sich dabei immer wieder, wo eigentlich in all diesen Häusern und Wohnungen eigentlich der Raum für die Frauen geblieben ist.
Während ihrer zahlreichen Reisen, die sie unter anderem nach Japan, Mexiko, Amerika und Südeuropa führten, beobachtete sie, wie eng das Wohnen mit der jeweiligen Kultur verknüpft ist. In Japan staunte sie darüber, auf welch engem Raum die Menschen dort miteinander leben und welche beruhigende Wirkung ein traditionell eingerichteter Raum entfalten kann. In Kalifornien fuhr sie immer wieder gerne zu Wohnungsbesichtigungen in reichen Vierteln wie Brentwood, Beverly Hills und Pacific Palisades, nur um sich das Leben der anderen in diesen Räumen auszumalen. Nie dachte sie dabei: „Oh ja! Das wäre mein Traumhaus! Genauso möchte ich auch wohnen!“ Denn den Wohnungen fehlte meist jede persönliche Note. Man sah nur die Arbeit von Innenarchitektinnen, als hätten die Besitzer Angst, sich die Blöße eigener Fantasien zu geben. Dabei, so Doris Dörrie, brauche es doch eigentlich nicht viel Geld, sondern nur eine gewisse Hingabe ans eigene Leben, um ein Haus oder eine Wohnung zu einem besonderen Ort zu machen.
Michael Riethmüller ist Mitgründer der Buchhandlung RavensBuch.
Doris Dörrie: Wohnen
Do 5. Februar, Schwörsaal Ravensburg, 19 Uhr
Die Veranstaltung ist mittlerweile ausverkauft!
Karten: bei RavensBuch, in allen Osiander Buchhandlungen, unter osiander.reservix.de/events und an der Abendkasse
