Eine der phantasievollsten und neugierigsten Künstlerinnen unserer Zeit
Das Münchener Kammerorchester setzt seine Konzertreihe im Jubiläumsjahr (75 Jahre MKO, 25 Jahre in Ravensburg) im Januar mit einem spannenden und farbenreichen Programm fort: Die Ballettmusik „La création du monde“ des Franzosen Darius Milhaud entstand im Jahr 1923 und spiegelt dessen Liebe zum Jazz, den er bei einem Aufenthalt in New York kennengelernt hatte, wider.
Mit der aus Moldawien stammenden Geigerin Patricia Kopatchinskaja ist erstmals eine der phantasievollsten und neugierigsten Künstlerinnen unserer Zeit im Ravensburger Konzerthaus zu Gast. Egal, ob sie Tschaikowskys oder Beethovens Violinkonzert gegen den Strich bürstet und uns damit die Ohren öffnet, oder ob sie wie diesmal das für sie komponierte Konzert des Ungarn Márton Illés zum Leben erweckt – die Auftritte der barfuß und in ungewöhnlichem Outfit musizierenden Geigerin wirken absolut authentisch! Der Titel des Konzerts „Vont-tér“ bedeutet „gestrichener, gezogener Raum“. Wie in seinem Cellokonzert, das man im November 2024 mit Nicolas Altstaedt erleben konnte, hat sich der Komponist auch hier intensiv mit dem Streicherklang auseinandergesetzt. Seine Arbeitsweise beschreibt der als Pianist ausgebildete Komponist so: „Seit Jahren bin ich dabei, experimentierend, die Instrumente, wochen- und monatelang selber in der Hand „knetend“, geläufige zeitgenössische Streichertechniken an meine Musiksprache zu adaptieren.“ Und die Solistin sagte nach der Uraufführung im Jahr 2020 begeistert „Wir haben einander Fragen aufgeworfen und miteinander wirklich Spaß gehabt!“ – dass dabei ungewohnte, ja nie gehörte Klänge entstehen, deren Erzeugung man unbedingt auch sehen muss, gehört dazu!
Kurt Weill, den Schöpfer der „Dreigroschenoper“ und der „Sieben Todsünden“, den Ehemann von Lotte Lenya und kongenialen Partner von Bertolt Brecht, lernen wir schließlich mit seiner zweiten Symphonie aus dem Jahr 1933 kennen. Man hört den unverwechselbaren Stil der Chansons, aber auch Tragisches und Musikantisches: Die Symphonie ist ein Spiegel ihrer Zeit, der Komponist musste Deutschland verlassen. Bruno Walter dirigierte die Uraufführung 1934 in Amsterdam, in Berlin ist sie erst 1975 erstmals erklungen. Und das MKO wird unter der Leitung von Bas Wiegers, einem seiner drei Hauptdirigenten, wie immer mit Herzblut und Hingabe musizieren!
Katharina von Glasenapp ist Musikwissenschaftlerin und Kulturjournalistin.
Münchener Kammerorchester & Patricia Kopatchinskaja
Fr 23. Januar, Konzerthaus Ravensburg, 19.30 Uhr
Einführung: 18.45 Uhr
Patricia Kopatchinskaja, Violine
Bas Wiegers, Dirigent
Darius Milhaud: La creation du monde
Márton Illés: Konzert für Violine „Vont-tér“
Kurt Weill: Sinfonie Nr. 2
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