Ein Interview mit der Regisseurin Ragna Kirck
Du hast mit „Wir sind die Neuen“ bereits sehr erfolgreich eine zeitgenössische Komödie am Theater Ravensburg inszeniert – jetzt folgt mit „Der zerbrochne Krug“ ein echter Komödienklassiker. Was hat dich an diesem Stoff gereizt?
Kleist verhandelt so viele Fragen, die noch immer aktuell sind: Recht und Korruption, Privilegien durch Bildung, die Wehrpflicht, gerade wieder ein absolutes Zeitthema, Vertrauen und Misstrauen in Beziehungen, Wirklichkeit und Wahrnehmung, vor allem aber steht hier das Patriarchat auf dem Prüfstand – und Kleist kommt zu keinem guten Ergebnis.
Worum geht es für dich im Kern?
Es geht um die Position von Frauen in einer Männerwelt. Nicht umsonst ist es Frau Marthe, die die Klage führt – und Eve, der ihre Version der Ereignisse nicht geglaubt wird. Bezeichnenderweise noch nicht einmal von ihrer Mutter Marthe, denn Misogynie ist in unserer Gesellschaft so verwurzelt, dass sie auch an Frauen nicht spurlos vorüberzieht und internalisiert ist.
Du verlegst die Handlung in das Setting einer Datingshow. Wie ist diese Idee entstanden?
Simpel gesagt verlagert sich der Konflikt von der Sachebene auf die Beziehungsebene. Natürlich ist das bei Kleist schon so angelegt, das Setting „Datingshow“ macht es sichtbarer, ebenso wie das Spiel von Schein und Sein hier eine ideale Folie findet.
Das Stück ist Komödie und Gesellschaftskritik zugleich. Wie bringst du beides zusammen?
Komik und gesellschaftliche Kritik schließen sich nicht aus, wissen wir doch alle oft, wenn wir die Nachrichten lesen, nicht, ob wir lachen oder weinen sollen. Komik entlarvt durch einen scharfen Blick auf Unzulänglichkeiten, wir werden viel lachen beim Schauen des Stücks – und etwas später umso schwerer schlucken.
Das Stück entstand vor über 200 Jahren und wirkt dennoch erstaunlich aktuell. Was sagt das über unsere Gesellschaft aus?
Wir bewegen uns zu langsam in Bezug auf Gleichstellung, und es gibt keinen wirklichen gemeinsamen Willen in der Gesellschaft, das Patriarchat abzuschaffen. Unsere Welt wird seit 3000 Jahren regiert von Männern. Wenn wir uns aktuell umschauen, scheint dieses Konzept überholt, denn die Welt brennt überall. Zeit, mal etwas Neues auszuprobieren?
Elena Parwan ist Kulturmanagerin am Theater Ravensburg.
Premiere „Der zerbrochne Krug“
Fr 16. Oktober, Theater Ravensburg, 20 Uhr
Weitere Spieltermine:
17., 22., 23. Oktober
19., 20., 21. November
28., 29. Dezember
