Münchener Kammerorchester & Sebastian Bohren, Violine
50 Tage nach Ostern werden an Pfingsten die Aussendung des Heiligen Geistes auf die Jünger Jesu und die Geburt der Kirche gefeiert: Sei es, wenn ein „Brausen vom Himmel“ zu hören ist, sei es, wenn Feuerzungen über den Jüngern erscheinen oder sie mit der Gabe der Rede in verschiedenen Sprachen (Zungen) erfüllt in die Welt geschickt werden – Pfingsten hat mit Kreativität, mit dem schöpferischen Geist zu tun, und der darf auch klingend zur Wirkung kommen: Das Programm des Münchener Kammerorchesters am Pfingstsonntag, 24. Mai lässt uns mehrfach teilhaben am schöpferischen Funken.
Joseph Haydn beginnt sein Oratorium „Die Schöpfung“ mit der „Vorstellung des Chaos“, mit leeren Oktavklängen und nach oben strebenden Linien, einem Rühren in der „Ursuppe“, das kurz danach zum gleißendsten C-Dur des „Es ward Licht“ geführt wird. Robert Schumann kämpfte zeitlebens mit Licht und Schatten, mit überfließender Produktivität und tiefer Depression. Sein Violinkonzert stammt aus der letzten Zeit, bevor der Komponist in eine Nervenheilanstalt eingeliefert wurde, deshalb wurde es auch lange Zeit zurückgehalten. Es ist ein besonderes Stück, das sich erst in den letzten Jahrzehnten die Konzertbühnen erobert hat. Im langsamen Satz greift Schumann ein Thema auf, das ihm die Geister von Schubert und Mendelssohn vorgesungen haben sollen – auch so arbeitet der schöpferische Funke! Mit dem 1987 in Winterthur geborenen Sebastian Bohren ist ein Solist zu Gast beim MKO, der sich gerne dem Repertoire etwas abseits der ausgetretenen Pfade widmet, der viel Kammermusik spielt und Entdeckungen in der klassischen ebenso wie der zeitgenössischen Musik macht. Hingabe und Tiefgang werden dem Schumann-Konzert guttun! Und wenn Enrico Onofri, einer der drei Hauptdirigenten des MKO, zuletzt Beethovens fünfte Symphonie interpretiert, wird auch hier das „durch Nacht zum Licht“ vom Schicksalspochen zum C-Dur-Jubel wieder neu mit Leben gefüllt!
Katharina von Glasenapp ist Musikwissenschaftlerin und Kulturjournalistin.
Münchener Kammerorchester & Sebastian Bohren, Violine
Pfingstsonntag, 24. Mai, Konzerthaus Ravensburg, 19 Uhr
Dirigent: Enrico Onofri
Joseph Haydn: „Vorstellung des Chaos” aus “Die Schöpfung”
Robert Schumann: Konzert für Violine und Orchester d-Moll
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5

