Alena Jabarine liest aus „Der letzte Himmel: Meine Suche nach Palästina“
Wenn Alena Jabarine im Kiesel aus „Der letzte Himmel – Meine Suche nach Palästina“ liest, wird der Kiesel im k42 in Friedrichshafen sich für einen Abend in ein Fenster zu einer Welt verwandeln, die viele nur aus Schlagzeilen kennen – oft verzerrt, laut, überfrachtet. Gerade deshalb lohnt es sich, dieser Lesung beizuwohnen: Jabarine erzählt Palästina leise, persönlich und eindringlich. Die deutsch-palästinensische Journalistin, in Hamburg geboren und aufgewachsen, führt ihr Publikum zurück zu den Erinnerungen ihrer Kindheit – zu sommerlichen Besuchen im Haus der Großeltern, zu lauen Nächten, zu Momenten voller Nähe. Doch über dieser Kindheitsidylle lagen schon damals unsichtbare Grenzen, Trennlinien, die bestimmen, wer sich wie bewegen darf, wessen Leben Freiheit kennt – und wessen nicht.
Viele Jahre später kehrte Jabarine für mehrere Monate ins Westjordanland zurück. Sie wollte verstehen, wie der Alltag der Menschen aussieht, denen diese Grenzen tagtäglich gesetzt werden. In ihrem Buch portraitiert sie Freundinnen und Freunde in Ramallah, zeigt ihre Wünsche, ihren Humor, ihre Hürden. Sie schreibt über Hoffnung und Frustration, über Anpassung und Aufbruch, über ein Leben, das zugleich selbstverständlich und zutiefst politisch ist. Genau dieser Blick – nah, empathisch, unaufgeregt, aber klar – macht „Der letzte Himmel“ zu einem der relevanten Sachbücher unserer Zeit.
Bei der Veranstaltung schafft die einfühlsame Moderation durch den Vorarlberger Kulturvermittler Fatih Özcelik Raum für Kontext und Fragen. Die Lesung öffnet den Abend für Austausch und lädt dazu ein, die große politische Debatte über Palästina aus einer menschlichen Perspektive zu betrachten. Denn kaum ein Thema beschäftigt die Welt derzeit so intensiv und emotional. Jabarines Erzählungen geben Orientierung inmitten dieses Lärms: Sie zeigen, wie viel Nuance, Normalität und verletzliche Schönheit ein Land besitzt, das oft nur als Konfliktzone wahrgenommen wird.
Wer die Region besser verstehen möchte, wer neugierig ist auf Geschichten jenseits der Nachrichtenbilder, wer sich auf eine Stimme einlassen will, die zugleich sanft und präzise erzählt – für all diese Menschen ist dieser Abend ein Muss. Die Lesung verspricht nicht nur Erkenntnis, sondern auch Nähe: ein Moment des Zuhörens, des Innehaltens, des wirklichen Verstehens.
Johannes Maria Gerlitz ist Veranstaltungsleiter beim Kulturbüro Friedrichshafen.
Alena Jabarine: „Der letzte Himmel. Meine Suche nach Palästina“
Di 20. Januar Kiesel im k42 Friedrichshafen, 19.30 Uhr
Moderation: Fatih Özcelik
