Nelio Biedermanns Roman „Lázár“ ist das „Lieblingsbuch der Unabhängigen“
Als im vergangenen Herbst der Roman „Lázár“ (Rowohlt Berlin) erschien, feierten die Feuilletons den jungen Schweizer Autor Nelio Biedermann als großes literarisches Talent. Kritikerinnen und Kritiker sprachen von der „erstaunlichsten Entdeckung der Saison“, einem „Pageturner erster Güte“ und gar einem „Geniestreich“. Der Roman wurde für den Schweizer Buchpreis nominiert und auf der Frankfurter Buchmesse 2025 zum „Lieblingsbuch der Unabhängigen“ gekürt. Zuvor hatten unabhängige Buchhändlerinnen und Buchhändler aus ganz Deutschland abgestimmt und sich mehrheitlich für „diese sinnenfroh und verwegen erzählte Geschichte“ ausgesprochen.
Auch der Schriftsteller Daniel Kehlmann zeigt sich begeistert. „Lázár“ sei „ein erstaunliches Buch – eine Familiengeschichte über mehrere Generationen, voller zutiefst origineller Charaktere und packender Szenen, manchmal realistisch, dann wieder verstörend traumartig.“ Der Roman wäre in jedem Fall ein Ereignis, schreibt Kehlmann, aber der Umstand, dass sein Autor gerade erst das Erwachsenenalter erreicht hat, mache sein Erscheinen zu einem Donnerschlag. „Ein wirklich großer Schriftsteller betritt die Bühne, im Vollbesitz seiner Fähigkeiten.“ Nelio Biedermann ist erst 22 Jahre alt und studiert Germanistik und Theaterwissenschaft an der Universität Zürich. Geboren und aufgewachsen ist Nelio Biedermann am Zürichsee. Seine Familie väterlicherseits stammt aus ungarischem Adel. Die Großeltern flohen in den 1950er-Jahren in die Schweiz. Dieses familiäre Erbe verarbeitet der Autor zu einer weitgespannten Saga über drei Generationen, die persönliche Familiengeschichte mit europäischer Zeitgeschichte verbindet.
Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, als Lajos von Lázár im südlichen Ungarn geboren wird, nimmt das Schicksal der Barone Lázár eine entscheidende Wendung. Der Untergang der Habsburgermonarchie erschüttert die Welt der alten Eliten. Zwar scheint nach dem Ersten Weltkrieg der vergangene Glanz noch einmal aufzuleben, doch bald werfen totalitäre Systeme ihre Schatten voraus. Vor dem Hintergrund politischer Umbrüche beleuchtet Nelio Biedermann das Leben einer aristokratischen Familie, deren Hoffnungen durch Verfolgung, Vertreibung und Flucht zerstört werden. Mit großer Leichtigkeit erzählt er eine packende und zugleich berührende Geschichte von Liebe und Liebschaften, von Sehnsucht, Träumen und Geheimnissen. „Lázár“ ist eine vielschichtige Hommage an die Literatur und an das Leben in all seinen Facetten.
Michael Riethmüller ist Mitgründer der Buchhandlung RavensBuch.
Lesung Nelio Biedermann: Lázár
Di 19. Mai, Schwörsaal im Waaghaus Ravensburg, 19 Uhr
Lesung und Gespräch mit Prof. Dr. Thomas Knubben
Tickets: bei RavensBuch, in allen Osiander Buchhandlungen, unter osiander.reservix.de/events und an der Abendkasse
