Demokratie lebt vom Mitmachen
Demokratie ist weit mehr als ein politisches System. Sie lebt von Menschen, die zuhören, diskutieren, Verantwortung übernehmen und das gesellschaftliche Miteinander aktiv gestalten. Gerade in einer Zeit, in der Polarisierung, Desinformation und gesellschaftliche Spannungen vielerorts zunehmen, gewinnen Begegnung, Austausch und gegenseitiger Respekt an Bedeutung.
Die Friedrichshafener Tage der Demokratie 2026 schaffen dafür einen Raum. Vom 30. September bis 4. Oktober laden zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus Bildung, Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft dazu ein, Demokratie aus unterschiedlichen Perspektiven zu erleben – nachdenklich, kreativ und ganz praktisch. Vorträge, Workshops, Lesungen, Konzerte und Führungen bieten Menschen aller Generationen Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und neue Blickwinkel kennenzulernen.
Zum Auftakt wirft der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Joachim Behnke von der Zeppelin Universität einen Blick auf die Herausforderungen moderner Demokratien. Unter dem Titel „Müssen wir an der Demokratie verzweifeln?“ geht er der Frage nach, wie politische Entwicklungen in den USA und Europa das Vertrauen in demokratische Institutionen verändern und welche Antworten auf Populismus und gesellschaftliche Polarisierung möglich sind. Der Eröffnungsvortrag lädt dazu ein, aktuelle Entwicklungen einzuordnen und gemeinsam über die Zukunft der Demokratie nachzudenken.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Buchvorstellung „Landshut 1977. Linksterrorismus in der Bundesrepublik“. Fast fünfzig Jahre nach dem Deutschen Herbst stellt die Herausgeberin Annette Vowinckel den Band vor, in dem Fachleute und Zeitzeuginnen und Zeitzeugen über den Umgang mit der Geschichte der RAF und ihrer Folgen diskutieren. Die Veranstaltung schlägt zugleich den Bogen in die Zukunft: Im Jahr 2027 eröffnet die Bundeszentrale für politische Bildung am Flughafen Friedrichshafen einen Lernort rund um die ehemalige Lufthansa-Maschine „Landshut“. An diesem Projekt, soll gezeigt werden, wie Erinnerungskultur dazu beitragen kann, demokratische Werte zu stärken und historische Ereignisse für heutige Generationen verständlich zu machen.
Passend zu den Tagen der Demokratie findet am Tag der Deutschen Einheit wieder das gemeinsame Singen auf dem Adenauerplatz statt. Die bundesweite Initiative „3. Oktober – Deutschland singt und klingt“ erinnert mit Liedern des Friedens, der Hoffnung und der Freiheit an die Friedliche Revolution und die Wiedervereinigung Deutschlands. Gemeinsam zu singen bedeutet an diesem Abend mehr als Musik zu machen: Es ist ein sichtbares Zeichen für Zusammenhalt, Demokratie und ein friedliches Miteinander.
Darüber hinaus laden zahlreiche weitere Veranstaltungen dazu ein, Demokratie mit allen Sinnen zu erleben. Workshops für Kinder und Jugendliche fördern Zivilcourage und Teamgeist, Lesungen und Ausstellungen eröffnen neue Perspektiven auf Freiheit und Menschenrechte, Führungen regen zur Auseinandersetzung mit der regionalen Geschichte an. Die Friedrichshafener Tage der Demokratie machen deutlich: Demokratie lebt vom Mitmachen – und davon, dass Menschen bereit sind, miteinander im Gespräch zu bleiben.
Johannes Maria Gerlitz ist Veranstaltungsleiter im Amt für Kunst und Kultur Friedrichshafen.
Friedrichshafener Tage der Demokratie
Mi 30. September bis So 4. Oktober
Komplettes Programm unter: friedrichshafen.de/demokratie
