Linus Roth spielt Weinbergs Violinkonzert, Holger Falk singt Zenders „Winterreise“
Von Thomas Knubben und Rolf W. Stoll.
Gleich zwei außergewöhnliche Konzerterlebnisse mit außergewöhnlichen Kompositionen und erstklassigen Musikern erwarten die Musikfreunde in der Region im Oktober in der Evangelischen Stadtkirche Ravensburg.
Zunächst lädt die Wolfram Stiftung am 3. Oktober 2026 um 17 Uhr zu ihrem Stiftungskonzert am Tag der Deutschen Einheit ein. Als Solist gastiert zusammen mit der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben der in Ravensburg geborene, international renommierte Geiger Linus Roth. Auf dem speziell für diesen Tag arrangierten Programm stehen die Egmont-Ouvertüre Ludwig van Beethovens, Haydn-Variationen von Johannes Brahms sowie das selten zu hörende Violinkonzert des polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (1919 bis 1996). Weinberg zählte noch vor wenigen Jahren zu den großen Unbekannten des 20. Jahrhunderts, bis ihn die Kulturwelt bei den Bregenzer Festspielen 2010 durch die szenische Aufführung seiner Oper „Die Passagierin“ entdeckte. Weinbergs Komposition wurde als die „Wiederentdeckung des Jahres“, wenn nicht des Jahrzehnts gefeiert. Ähnliches gilt auch für sein Violinkonzert aus dem Jahr 1959. Linus Roth, der sich als Präsident der International Weinberg Society engagiert, meint dazu: „Das Violinkonzert von Weinberg ist für mich eines der großen Violinkonzerte des 20. Jahrhunderts zusammen mit Schostakowitsch, Prokofjew, Berg, Bartók.“ Kostenlose Eintrittskarten für das Konzert unter der Leitung von Sebastian Tewinkel sind bei der Tourist Information Ravensburg zu erhalten.
Dem 2019 verstorbenen Komponisten Hans Zender ist das Konzert am 24. Oktober 2026 um 20 Uhr gewidmet: Der Tenor Holger Frank und das Klangforum Wien unter der Leitung von Vimbayi Kaziboni geben Zenders Version von Franz Schuberts Winterreise. Es gibt nur wenige Werke, die über Jahrhunderte hinweg eine so ungebrochene Faszination auslösen wie Schuberts Liederzyklus, den er 1827, ein Jahr vor seinem Tod, komponiert hatte. Der geradezu unheimlich verdichtete Ausdrucksgehalt des Werks machte es zum Gipfelpunkt der deutschen und europäischen Liedkunst. Hans Zender bearbeitete das Werk für Tenor und kleines Orchester. Er lehnt sich dabei eng an Schuberts Tonsprache an, bezieht aber wirkungsvoll verfremdende Klangeffekte ein, die die eisige Kälte und metaphysische Düsternis des Werks noch betonen. Seine „komponierte Interpretation“ hört das historische Werk mit den Ohren des späten 20. Jahrhunderts. Die existenzielle Wucht von Schuberts Original kommt so erst eigentlich zum Vorschein – und Dimensionen des Werks werden wieder zugänglich, die es in der Zeit seiner Komposition noch entfalten konnte. Karten für dieses Konzert sind erhältlich unter www.weit-weingarten.de
Prof. Dr. Thomas Knubben ist Stiftungsvorstand der Dr. Dieter und Dr. Susanne Wolfram Stiftung.
Rolf W. Stoll ist Künstlerischer Leiter von weit! neue musik weingarten.
Konzert zum Tag der Deutschen Einheit
Sa 3. Oktober, Evangelische Stadtkirche Ravensburg, 17 Uhr
Kostenlose Eintrittskarten: Tourist Information Ravensburg
Schuberts Winterreise
Sa 24. Oktober, Evangelische Stadtkirche Ravensburg, 20 Uhr
Karten: www.weit-weingarten.de
