Kurzfristige Umbesetzung: Der französische Bratschist Antoine Tamestit springt für Tabea Zimmermann ein. Das Stuttgarter Kammerorchester und Antoine Tamestit führen das von Tabea Zimmermann erdachte Konzertprogramm auf.
Der folgende Text von Katharina von Glasenapp ist in der Printausgabe April von Stadtlandsee erschienen:
Tabea Zimmermann leuchtet den Kosmos des Streicherklangs aus
Reiner Streicherklang, so ausdrucksstark, wie ihn nur ein Kammerorchester vom Rang des Stuttgarter Kammerorchesters vermitteln kann: Wenn dann mit Tabea Zimmermann eine der profiliertesten Bratschistinnen unserer Zeit in ihrer Mitte steht und das Ensemble vom Instrument aus als „Prima inter pares“ leitet, ist Besonderes zu erwarten von diesem Abend im Ravensburger Konzerthaus.
Als Geigerin ausgebildet hat die polnische Komponistin Grazyna Bacewicz natürlich eine intensive Verbindung zum Streicherklang. Ihr Divertimento wurde im November 1966 in München uraufgeführt und ist mit seinen nur sieben Minuten Spieldauer ein Musterbeispiel für höchste Verdichtung. Humor, Leichtigkeit und Tiefgang formen ein geistreiches und spritziges Werk.
Alfred Schnittke entstammte einer deutsch-jüdischen Familie und kam 1934 in der Wolgadeutschen Republik zur Welt. Verbinden wir mit seinem Namen und vielen seiner Werke den Begriff „Polystilistik“, so begegnet uns in seinem „Monolog für Viola und Streichorchester“ intensivste Ausdruckskraft. 1985 hatte der Komponist im Alter von 51 Jahren einen ersten Schlaganfall erlitten, diese Erfahrung und das Wiedereintauchen ins Leben hatte er in die Komposition seines Bratschenkonzerts einfließen lassen. Vier Jahre später entstand mit dem „Monolog“ ein bohrendes, sich wild aufbäumendes, aber ungemein verdichtetes Werk. Weitere Schlaganfälle sollten folgen, bis Schnittke im Jahr 1998 starb. Tabea Zimmermann sagt: „Ich hatte das Glück, Alfred Schnittke als einen zutiefst ehrlichen Menschen und Musiker kennenzulernen. Das hilft mir dabei, keine Fragen mehr über das zu stellen, was da geschrieben steht, sondern höchstens darüber, wie man sich dem als Spieler und Hörer aussetzt und dies zulässt.“
Ein weiteres Divertimento, nämlich das von Béla Bartók, bildet den Abschluss des Programms: Man hört die Liebe zur ungarischen Heimat mit ihren Rhythmen und Akzenten. Doch spiegelt sich darin auch der herzzerreißende Abschied, denn Bartók komponierte es in der Schweiz als letztes Werk vor seiner Emigration nach Amerika, kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs. Der langsame Satz ist „der vielleicht schönste Einsamkeitsmonolog des 20. Jahrhunderts“, das ganze Werk ein Tanz am Abgrund.
Katharina von Glasenapp ist Musikwissenschaftlerin und Kulturjournalistin.
Kurzfristige Umbesetzung:
Stuttgarter Kammerorchester & Antoine Tamestit
Do 16. April, Konzerthaus Ravensburg, 19.30 Uhr
Antoine Tamestit, Viola
Dmitry Smirnov, Leitung
Grazyna Bacewicz: Divertimento für Streichorchester
Alfred Schnittke: Monolog für Viola und Streichorchester
Béla Bartók: Divertimento für Streichorchester
