Das Stuttgarter Kammerorchester & Lucienne Renaudin Vary
Wenn Lucienne Renaudin Vary die Trompete ansetzt, entsteht ein seltener Moment, in dem das Publikum unwillkürlich den Atem anhält und technische Brillanz auf pure Spiellust trifft. Ihre Töne nehmen mühelos den Raum ein und tragen zugleich eine tänzerische Energie in sich. Die junge Französin gehört zu jener kleinen Gruppe von Musikerinnen, die ihr Instrument nicht nur beherrschen, sondern ihm eine eigene Sprache schenken. Ihr Markenzeichen ist ein fast lyrischer Klang, der mühelos zwischen klassischer Eleganz und der geschmeidigen Freiheit des Jazz wandert. Kaum verwundert es, dass sie längst auf den bedeutenden Bühnen Europas zu Hause ist und mit zahlreichen Preisen – darunter ein Opus Klassik – ausgezeichnet wurde, während die Presse ihre Präzision ebenso lobt wie ihre warme Tongebung. Gemeinsam mit dem Stuttgarter Kammerorchester kommt sie nun an den See und bringt ein Programm mit, das für musikalische Entdeckerlust sorgt. Nerudas Trompetenkonzert in Es-Dur entfaltet eine barocke Pracht, die wie geschaffen scheint für Renaudin Varys strahlende Virtuosität. Man meint fast, die goldene Architektur des Spätbarocks vor sich zu sehen, so klar und edel gezeichnet wirken die melodischen Bögen.
Dazu stellt das Orchester unter der Leitung von Susanne von Gutzeit eine der temperamentvollsten Sinfonien Carl Philipp Emanuel Bachs vor: die Hamburger Sinfonie Nr. 2. Ihre sprunghaften Motive und empfindsamen Wendungen atmen den Geist einer Epoche im Umbruch und öffnen immer wieder kleine Fenster in die beginnende Frühklassik.
Karol Beffas Intrada für Trompete und Streicher sorgt für zeitgenössische Akzente im Programm. Der pulsierende Rhythmus, die jazzigen Farben und der fast rhapsodische Gestus lassen das Publikum lauschen, als höre man ein vertrautes Instrument plötzlich in neuem Licht. Zugleich passt die Intrada wunderbar zu Renaudin Varys Vielseitigkeit. Und schließlich breitet Ravels Streichquartett in der Fassung für Streichorchester seinen ganz eigenen Zauber aus.
Ein Hauch von Paris, ein Feuer voller Virtuosität und ein Orchester in Hochform. Dieses musikalische Rendezvous lohnt jeden Weg!
Kathrin Staffler: Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsleiterin, Kulturbüro Friedrichshafen.
Stuttgarter Kammerorchester & Lucienne Renaudin Vary
Di 13. Januar, Bahnhof Fischbach, 19.30 Uhr
Lucienne Renaudin Vary Trompete
Susanne von Gutzeit Violine & Leitung
Johann Baptist Georg Neruda: Trompetenkonzert Es-Dur
Carl Philipp Emanuel Bach: Hamburger Sinfonie Nr. 2 B-Dur
Karol Beffa: Intrada für Trompete und Streicher
Maurice Ravel: Streichquartett F-Dur op. 35 (Fassung für Streichorchester)
