Claire Huangci und das Aris Quartett
Eine höchst virtuose Klaviersonate, die vermutlich den meisten unbekannt ist, ein Streichquartett mit der stets sehr persönlichen Handschrift von Dmitri Schostakowitsch und schließlich das aufwühlende Klavierquintett von Robert Schumann: Das sind die Bausteine für ein leidenschaftliches Kammermusikprogramm, wenn die chinesisch-amerikanische Pianistin Claire Huangci und das deutsche Aris Quartett am 19. November im Konzerthaus Ravensburg zusammenkommen. Die 35-jährige Pianistin ist schon öfters in unserer Region aufgetreten und begeistert durch ihre quicklebendige Intensität, ebenso wie sich das sympathische Aris Quartett bereits in mehreren Konzerten präsentiert hat.
Die Klaviersonate von Samuel Barber, entstanden wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, hat die Künstlerin auf CD eingespielt: Sie ist ungeheuer virtuos und komplex, abgründig und verzweifelt, ganz anders als das berühmte Adagio für Streicher, das wir gerne mit dem Namen des Komponisten verbinden.
Fast zur gleichen Zeit wie Barbers Sonate ist das dritte Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch entstanden: Es vereint Parodistisches und Tragisches, Folklore und Kontrapunkt, Schroffes und Zugängliches. Damit ist es so vielschichtig wie sein Schöpfer, der sich immer wieder eine Maske vorhalten musste, um vor den sowjetischen Behörden zu bestehen. Zugleich ist es aber auch erfüllt von scheinbarer Leichtigkeit.
Mit Masken spielte gewissermaßen auch Robert Schumann, der begnadete Pianist, Komponist, Musikschriftsteller, Liebende und Poet. Er gab ihnen sogar Namen, wenn er seiner geliebten Clara in wenigen Zeilen ein Selbstportrait seiner künstlerischen Doppelnatur skizzierte: „Florestan den Wilden, Eusebius den Milden, Tränen und Flammen, nimm sie zusammen, in mir beide, den Schmerz und die Freude.“
Mit Florestan bzw. Eusebius unterzeichnete Schumann auch seine Rezensionen in der von ihm gegründeten Neuen Zeitschrift für Musik, gleichzeitig stehen sie für die unterschiedlichen musikalischen Charaktere, die sich bald vorwärtsdrängend, bald innig und lyrisch in seinen Kompositionen finden. Im Klavierquintett aus dem Jahr 1842 lassen sich diese musikalischen Masken wunderbar erkennen, es gehört zu den faszinierendsten Kammermusikwerken des 19. Jahrhunderts.
Katharina von Glasenapp ist Musikwissenschaftlerin und Kulturjournalistin.
Claire Huangci & Aris Quartett
Mi 19. November, Konzerthaus Ravensburg, 19.30 Uhr
Einführung mit Kathrin Stürzl: 18.45 Uhr
Auf dem Programm: Samuel Barber Sonate für Klavier op. 26 // Dmitri Schostakowitsch Streichquartett Nr. 3 F-Dur op. 73 // Robert Schumann Klavierquintett Es-Dur op. 44
