Ausstellung wird um literarische und körperliche Resonanzräume erweitert
Tankstellen sind zu Symbolen der Gegenwart geworden, sind Schnittstellen von Alltag und System. Lisa Röing Baer präsentiert im Kunstverein Friedrichshafen mit der Ausstellung „spark“ Benzin-Zapfsäulen aus den Hoch-Zeiten der Petromoderne, einer Zeit, in der Erdöl reuelosen Fortschritt, Mobilität und Freiheit versprach. Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein Gefühl der Lähmung angesichts einer Welt im Wandel, in der das Bewusstsein für Krisen und das Fortsetzen vertrauter Gewohnheiten nebeneinander bestehen.
Ein begleitendes Performanceprogramm bringt Bewegung in jene Spannungszustände, die die Künstlerin in ihren fotografischen und skulpturalen Arbeiten sichtbar macht: das Wissen um Krisen und das Verharren in vertrauten Mustern. Drei performative Lesungen greifen diese Ambivalenzen auf und übersetzen sie in Sprache, Stimme und körperliche Präsenz. Die eingeladenen Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstler reagieren auf die Ausstellung und öffnen eigenständige Perspektiven auf deren zentrale Fragen: Wie wirken Systeme auf uns ein? Warum bleiben wir ihnen verbunden, selbst wenn ihre Fragilität längst offensichtlich ist? Und wo liegt das Potenzial für Veränderung?
Den Auftakt bildet Olga Hohmann mit „The Guilty Spectator“. Ihre Performance thematisiert das Verhältnis von Beobachtung und Involviertheit. Am darauffolgenden Abend präsentieren Cy Linke und Anna Gohmert ihren gemeinsamen Briefwechsel „Beschütz‘ mich weiter als du schreiben kannst“. In einer eindringlichen Verbindung aus Text und Performance verhandeln sie Schutzräume, Verletzbarkeit und politische Realitäten. Den Abschluss bildet Miriam Stoney mit „Debt Verses“. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die vor ihrem Gläubiger flieht und die sich in einer traumartigen Roadtrip-Sequenz entfaltet, in der die Protagonistin versucht, ihren Lebensunterhalt als Wahrsagerin zu verdienen.
Gefördert im Rahmen des Literatursommers 2026 erweitert das Performanceprogramm die Ausstellung um eine entscheidende Dimension: Es macht erfahrbar, dass die in „spark“ verhandelten Themen nicht statisch sind. Vielmehr entfalten sie sich im Austausch, im Sprechen und im gemeinsamen Erleben – als Funken, die das Potenzial tragen, festgefügte Strukturen in Bewegung zu versetzen.
Marlene A. Schenk ist Künstlerische Leiterin des Kunstverein Friedrichshafen.
Kunstverein Friedrichshafen
Olga Hohmann: „The Guilty Spectator“: Mi 10. Juni, 19.30 Uhr
Cy Linke und Anna Gohmert: „Beschütz‘ mich weiter als du schreiben kannst“: Do 11. Juni, 19.30 Uhr
Miriam Stoney: „Debt Verses“: So 14. Juni, 14 Uhr
Eintritt frei
